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Von der kolonialen Barbarei zur Vernichtungspolitik des Nationalsozialismus

Artikel von Rosa Amélia Plumelle-Uribe, verfasst anlässlich des AfricAvenir Dialogforums Berlin, 15. Juni 2006. Ziel dieser Analyse ist, wenigstens einige der Faktoren zu identifizieren, die in direkter oder indirekter Weise die Entwicklung und den ideologischen Erfolg eines entmenschlichenden Plans wie den der nationalsozialistischen Barbarei in Deutschland und in der Welt möglich gemacht haben.

Dieser Artikel ist erschienen in AfricAvenir e-journal 01/2007, November 2007

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Von der kolonialen Barbarei zur Vernichtungspolitik des Nationalsozialismus

Rosa Amelia Plumelle-Uribe, AfricAvenir Dialogforum Berlin, 15. Juni 2006

Wir sind heute hier, um gemeinsam den historischen Zusammenhang zu analysieren, der sich wie ein roter Faden von der kolonialen Barbarei zur Vernichtungspolitik der Nationalsozialisten zieht. Ziel dieser Analyse ist, wenigstens einige der Faktoren zu identifizieren, die in direkter oder indirekter Weise die Entwicklung und den ideologischen Erfolg eines entmenschlichenden Plans wie den der nationalsozialistischen Barbarei in Deutschland und in der Welt möglich gemacht haben.

Diese Analyse ist Grundvoraussetzung für jede Initiative, die sich zum Ziel setzt, Diskriminierung zu bekämpfen, ganz gleich welcher Art; angefangen bei dieser diskriminierenden Praxis, Verbrechen klassifizieren und hierarchisieren zu wollen, um dann, je nach der Herkunft der Opfer und der Täter, diejenigen Verbrechen zu identifizieren, die verurteilt werden müssen. Diese Hierarchisierung der Verbrechen und damit auch ihrer Verurteilungswürdigkeit bleibt ein Haupthindernis im Kampf um Prävention von Verbrechen gegen die Menschlichkeit, unter anderem von Genoziden.

Sklaverei und Sklavenhandel
Es ist notwendig, gleich zu Anfang klar zu stellen, dass Eroberungskriege und Verbrechen, die im Zuge kolonialer Herrschaft verübt wurden, ebenso wie die Herabsetzung von Menschen zu Sklaven schon sehr früh in der menschlichen Geschichte Realität waren.

Als sich zum Beispiel die arabisch-muslimische Herrschaft nach Europa ausbreitete, war der Handel mit Menschen bereits eine Jahrtausende währende Praxis unter Europäern. Die Herrschaft des Islam in Spanien (711 bis 1492), hat lediglich den innereuropäischen Sklavenhandel dynamisiert und den Kontinent in einen wichtigen Lieferanten von Sklaven – Männer wie Frauen – verwandelt, die in die islamischen Länder verschleppt wurden.

Die meist slawischen Gefangenen nährten den Menschenhandel zwischen Venedig und dem arabisch-muslimischen Reich im südlichen Mittelmeerraum. Dies ist auch der Grund, weshalb in den westlichen Sprachen das Wort „Sklave“ (frz. esclave) oder „Slawe“ (frz. slave) sich gegenüber dem lateinischen „servus“ durchsetzte, um die unfreien Arbeiter/innen zu bezeichnen. Anders ausgedrückt: Mehrere Jahrhunderte lang verkauften Christen andere Europäer an jüdische Händler, die sich auf die ‘Produktion’ von Eunuchen spezialisiert hatten, welche zu jener Zeit in den Ländern des muslimischen Imperiums eine gefragte ‘Handelsware’ darstellten.

Auf den europäischen Sklavenhandel im sog. Mittelalter spezialisierte Forscher/innen haben zwischen dem institutionalisierten Sklavenhandel in Europa und dem von Europäern in den Amerikas durchgesetzten kolonialen Ausbeutungssystemen wichtige Kontinuitäten ausgemacht. Für Jacques Heers ist es „Charles Verlinden – der in diesem Punkt ein echter Pionier – zu verdanken, darauf hingewiesen zu haben, dass die koloniale Eroberung und Ausbeutung in den Amerikas in ganz wesentlichem Maße von einigen zeitnahen Erfahrungen im Mittelmeerraum inspiriert waren und außerdem in ungebrochener Kontinuität zu Vorläufern aus dem Mittelalter standen.“

Ich habe mich dennoch entschlossen, meine Analyse mit dem Jahr 1492 zu beginnen, also mit der Ankunft der Europäer auf dem amerikanischen Kontinent , obwohl ich mir der eben genannten Vorläufer und deren Bedeutung durchaus bewusst bin. Diese Entscheidung habe ich getroffen, weil die Vernichtung der indigenen Bevölkerungen des amerikanischen Kontinents, die Errichtung der Kolonialherrschaft und des Systems der Entmenschlichung Schwarzer Menschen bis dahin in der Geschichte der Menschheit keine Entsprechung hatten. Und vor allem, weil diese mehr als drei Jahrhunderte währende Erfahrung die theoretische Systematisierung von Ungleichheit nachhaltig bestimmt hat, darunter auch die Ungleichheit der ‘Rassen’ , deren Konsequenzen bis heute aktuell sind.

Der erste Genozid der Moderne
Die auf die Eroberung Amerikas spezialisierten Historiker/innen sind sich heute mehr oder weniger einig über die Zahl der Einwohner Amerikas am Vorabend der europäischen Invasion. Vor 1500 lebten ca. 80 Millionen Menschen auf dem amerikanischen Kontinent. Diese Zahl wurde mit derjenigen verglichen, die 50 Jahre später spanische Erhebungen ergaben.

Um 1550 waren von den 80 Millionen Indígenas nur noch 10 Millionen übrig. In relativen Zahlen gesprochen wurden 90% der Bevölkerung vernichtet. Ein unvorstellbares Blutbad, das in absoluten Zahlen ausgedrückt die Vernichtung von 70 Millionen Menschenleben bedeutet. In den letzten Jahren gelangten zudem südamerikanische Historiker/innen zu dem Schluss, dass am Vorabend der Eroberung der amerikanische Kontinent mehr als 100 Millionen Einwohner zählte. Von einem europäischen Standpunkt betrachtet sind diese Schätzungen inakzeptabel, und das nicht ohne Grund! Wenn diese Zahlen stimmen, bestätigen sie die Vernichtung von 90 Millionen Menschen.

Doch jenseits der reinen Zahlen hatte die kollektive Verhaltensweise der christlichen Eroberer nachhaltige Konsequenzen, die bis in die Gegenwart reichen. Zum Beispiel wurde die nachträgliche Rechtfertigung dieses Genozids zur Grundlage für die kulturelle, ideologische und politische Entwicklung einer weißen Vorherrschaft, zunächst gegenüber nicht-europäischen Völkern und schließlich auch innerhalb Europas.

Der Status der Straffreiheit, den die Konquistadoren genossen, sollte fatalerweise das rasche Aufkommen äußerst beunruhigender Praktiken fördern. So zum Beispiel die abscheuliche Angewohnheit, Hunde mit Indígenas zu füttern, manchmal mit Neugeborenen, die man den Müttern entriss und in die Käfige ausgehungerter Hunde warf. Oder der ‘Brauch‘, sich zu amüsieren, indem man Indígenas bei lebendigem Leibe verbrannte. Diese Tragödie war die erste direkte Konsequenz der ‘Entdeckung Amerikas‘, wie sie von den Geschichtsbüchern immer genannt wird.

Die afrikanische Lösung
Nachdem sie die Bevölkerungen des amerikanischen Kontinents nahezu ausgelöscht hatten, machten die westlichen Mächte aus dem afrikanischen Kontinent einen Sklavenlieferanten für Amerika. Dieses Unternehmen, das im Übrigen die größte Deportation in der Geschichte der Menschheit war, hat die Wirtschaft der afrikanischen Staaten zerstört und den Kontinent eines Teils seiner Bevölkerung beraubt. An dieser Stelle erscheint es mir angemessen, an den Zustand der afrikanischen Länder im Augenblick ihres Zusammentreffens mit den Europäern zu erinnern. Es ist heute eine weithin anerkannte Tatsache, dass die Produktionsweise in Afrika nicht auf Sklavenarbeit beruhte, die Gesellschaften aber dennoch gewisse Formen der Leibeigenschaft kannten.

Wie bereits erwähnt, war im Mittelalter die Sklaverei wie auch der Handel mit Menschen eine in der damaligen Welt gängige und weit verbreitete Praxis, und Afrika war auch in dieser Hinsicht keine Ausnahme. Seit dem 7. Jahrhundert belieferte das sub-saharische Afrika ebenso wie Europa seit dem 8. Jahrhundert das arabisch-muslimische Reich mit Sklaven. Es scheint, als haben Ausmaß und Modalität jenes Handels dem Wirtschaftswachstum in den betroffenen Ländern nicht im Weg gestanden. Im Gegenteil wird oft konstatiert, dass die islamische Herrschaft in Spanien nicht unwesentlich dazu beigetragen hat, dass Europa begann, aus der Finsternis des Mittelalters heraus zu treten. Was Afrika betrifft, so stellt man fest, dass die Länder dieses Kontinents trotz des Einschnitts durch den arabisch-muslimischen Sklavenhandel, sozialen Wohlstand und ein hohes Lebensniveau genossen.

Die Entvölkerung des Kontinents ebenso wie die Misere und Armut seiner kranken und hungernden Einwohner, wie sie von Afrikareisenden im 19. Jahrhundert beschrieben wird, steht in krassem Gegensatz zu Berichten über dicht bevölkerte Länder, florierende Wirtschaft, ergiebige Landwirtschaft, vielfältiges Handwerk, belebten Handel und besonders über einen hohen sozialen Wohlstand, von denen Reisende und Geographen erzählten, die zwischen dem 8. und 17. Jahrhundert auf den afrikanischen Kontinent kamen und deren Darstellungen uns nun dank diverser Forschungen bekannt sind, u.a. durch die Veröffentlichungen von Diop Maes .

Zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert haben die von den Sklavenhändlern zwecks ‘Sklavengewinnung‘ angezettelten und durchgeführten Kriege und Razzien zur weitgehenden Zerstörung der Binnenwirtschaft, des Sozialgefüges und der Demographie der afrikanischen Gesellschaften geführt. Arabischer und europäischer Sklavenhandel, vor allem aber der massive, ja sogar industrielle Charakter des transatlantischen Sklavenhandels, haben dem afrikanischen Kontinent in drei Jahrhunderten unvergleichlichen Schaden zugefügt. Dies kann als die zweite Konsequenz der Kolonisierung Amerikas angesehen werden.

Unternehmen Entmenschlichung
Im Zuge der Kolonisierung des amerikanischen Kontinents wurden die überlebenden Indígenas, ihres Landes enteignet, in Reservate abgeschoben. Gleichzeitig wurden Millionen von afrikanischen Frauen, Kindern und Männern nicht nur ihrer Heimat entrissen und nach Amerika deportiert, sondern vor allem auch systematisch aus dem Menschengeschlecht ausgeschlossen und zu ‘Untermenschen‘ oder Gegenständen erniedrigt. Die auf ‘Rassen’zugehörigkeit beruhende dekretierte Minderwertigkeit der ‘Nicht-Weißen’ und die entsprechende Superiorität der weißen ‘Rasse’ wurden in Gesetzen festgeschrieben, von der christlichen Kirche legitimiert und unterstützt und durch exemplarische Taten bekräftigt.

Die Kolonialmächte Spanien, Portugal, Frankreich, England und Holland schafften sich Rechtssysteme, in deren Rahmen die Entmenschlichung der ‘Schwarzen’ legal erfolgen konnte. Folglich hatte jede Kolonialmetropole ihr eigenes juristisches Arsenal, mittels dessen sie ihre völkervernichtende Politik im ‘Konzentrationsuniversum Amerikas‘ (univers concentrationnaire d’Amerique) durchführen konnte. In diesem Zusammenhang ist der französische Code Noir sicherlich das ausgefeilteste Gesetzeswerk. Im Jahre 1685 in Kraft getreten, ist diese juristische Monstrosität bis zur zweiten Abschaffung des Sklavenhandels in den französischen Kolonien 1848 wirksam geblieben.

Es ist vielsagend, dass sich während des 16. und 17. Jahrhunderts – soweit bekannt – nicht eine einzige autoritative Stimme gegen diese legalisierte Entmenschlichung der ‘Schwarzen’ erhoben hat. Sogar im 18. Jahrhundert, das doch immerhin das Jahrhundert der Aufklärung war, hat keiner der ‘großen Philosophen‘ von den verantwortlichen Regierungsstellen die unmittelbare und tatsächliche Abschaffung der beschriebenen Gesetze, welche die Verbrechen legalisierten, gefordert.

Eine von allen geteilte Ideologie
Man macht sich nicht ausreichend bewusst, dass aufgrund der Rassialisierung der Sklaverei im Konzentrationsuniversum Amerikas der Glaube an die Überlegenheit der weißen ‘Rasse’ und an die entsprechende Minderwertigkeit der ‘Schwarzen’ in der westlichen Kultur tief verwurzelt ist. Es ist wichtig zu wissen, dass dieses gefährliche Erbe der europäischen Kolonialherrschaft, im Zusammenspiel mit dem der Aufklärung eigenen und fast krankhaften Zwang, alles zu ordnen, zu hierarchisieren, zu klassifizieren, eine Kultur hervorgebracht hat, die der Vernichtung von als minderwertig angesehenen Völkern Vorschub leistete.

Zwischen dem 15. und 19. Jahrhundert zielte die gesamte literarische und wissenschaftliche Produktion in Bezug auf die Indígenas in Amerika darauf ab, ihre Vernichtung zu legitimieren. Nach drei langen Jahrhunderten der christlich kontrollierten kolonialen Barbarei war der Glaube – vor allem unter spanischen Katholiken – fest verankert, dass es keine Sünde sei, einen „Indio“ zu töten. Dieser Glaube wurde durch die anglophonen Protestanten bestärkt, für die „nur ein toter Indianer ein guter Indianer“ war. Auch war die gesamte auf die Bestialisierung der ‘Schwarzen‘ bezogene Literatur eine unverblümte Propaganda zugunsten des Sklavenhandels und der Versklavung der ‘Schwarzen‘, welche als zivilisatorischer Fortschritt präsentiert wurden.

Als schließlich das Konzentrationsuniversum Amerikas aufgelöst wurde, hatten die durch dessen Abschaffung ausgelösten Veränderungen nur sehr geringe Wirkung. Erstens, weil die meisten der durch die institutionalisierte Barbarei aufgebauten Strukturen quasi unangetastet blieben. Und auch, weil der Triumph des wissenschaftlichen Denkens über den religiösen Glauben, der „Herrenrasse“ und den Werten der westlichen ‘Zivilisation‘ eine neue Glaubwürdigkeit verlieh, welche die Religion unter ‘aufgeklärten Geistern‘ der Zeit nicht mehr genoss.

Von nun an konnten sich die Kolonisierung und die in ihrem Namen begangenen barbarischen Verbrechen, wie zum Beispiel die Vernichtung von als minderwertig betrachteten Völkern, auf einen wissenschaftlichen Diskurs berufen.

Eine Kultur der Vernichtung
Eine minutiöse Forschungsarbeit über die Rolle der westlichen Wissenschaftler bei der Entwicklung einer Vernichtungskultur, die im 19. und Anfang des 20. Jahrhundert in den Kolonialländern vorherrschte, tut Not und wäre sehr wünschenswert. Trotz vielfältiger und interessanter Berührungspunkte ist dies nicht das Thema dieses Beitrags. Dennoch können wir einige Andeutungen wagen, vor allem für diejenigen unter uns, die sich mit diesem Thema intensiver beschäftigen möchten.

Mitte des 19. Jahrhunderts waren die Geographical Society und die Anthropological Society in London wie auch die Société de Géologie in Paris die bekanntesten und ruhmreichsten Wissenschaftsverbände. Am 19. Januar 1864 fand ein von der Anthropological Society organisierter Runder Tisch über „Das Aussterben der minderwertigen Rassen“ statt. Es ging um das Recht der „überlegenen Rassen“, die als für ihre Interessen lebenswichtig erachteten Gebiete zu kolonisieren. Im Journal of the Anthropological Society of London, Vol. 165, 1864 wurde ein Bericht dieser Konferenz publiziert. Hier wurde hauptsächlich die Frage behandelt, ob die Ausrottung der „minderwertigen Rassen“ im Zuge von Kolonisation unausweichlich sei oder ob es grundsätzlich auch möglich sei, dass diese mit der überlegenen ‘Rasse’ koexistieren könnten, ohne zwangsläufig ausgelöscht zu werden.

Zu dieser Zeit hatte Großbritannien neben dem Genozid an den Einwohnern Nordamerikas auch schon die Einwohner Australiens, unter ihnen die Tasmanier, ausgerottet. In Frankreich hielt Albert Sarraut eine Rede vor Studierenden der „Ecole Coloniale“: „Es wäre albern, den europäischen Unternehmungen ein angebliches Nutzungsrecht entgegen zu stellen […], das Reichtümer im Besitz unfähiger Hände beließe.“ Der französische Soziologe Georges Vacher de Lapouge seinerseits bekräftigte, dass es nichts Natürlicheres gebe, als die Versklavung „minderwertiger Rassen“ und trat für eine einzige überlegene ‘Rasse’ ein, die sich durch natürliche Auslese bilden sollte.

Sich widersetztende Wissenschaftler
Auffällig ist, dass die meisten deutschen Anthropologen, wenngleich auch sie von der Überlegenheit ihrer eigenen ‘Rasse’ überzeugt waren, nicht die Meinung ihrer britischen, nordamerikanischen oder französischen Kollegen bezüglich der zwangsläufigen Auslöschung der als minderwertig angesehenen ‘Rassen’ beim Kontakt mit der ‘Zivilisation‘ teilten. Prof. Theodor Waitz zum Beispiel entwickelte zwischen 1859-1862 eine Theorie mit dem Ziel, die Hypothesen seiner westlichen Kollegen, die in der Legitimierung der in ihren jeweiligen Kolonialreichen begangenen Verbrechen verfangen waren, zu widerlegen. 1868 verfasste einer seiner Schüler, Georg Gerland, eine Studie über die Vernichtung „minderwertiger Rassen“. Er verurteilte die physische Gewalt der Kolonisatoren und benannte diese als Hauptgrund für das Aussterben der kolonisierten Völker. Weiterhin stellte er fest, dass es kein natürliches Gesetz gebe, wonach ‘primitive‘ Völker angesichts fortschreitender ‘Zivilisation‘ zwangsläufig ausstürben. Das Plädoyer dieses deutschen Wissenschaftlers für das Lebensrecht der als minderwertig angesehenen ‘Rassen’ ist eine der wenigen Ausnahmen in dieser Zeit.

1891 veröffentlicht der deutsche Anthropologe Friedrich Ratzel sein Werk Anthropogeographie - Die geographische Verbreitung des Menschen. Im zehnten Kapitel mit dem Untertitel Der Untergang der minderwertigen Kulturen beim Kontakt mit der Kultur bringt er seine Abneigung gegen die Zerstörung indigener Völker zum Ausdruck: „Es ist eine bedauernswerte Regel geworden, dass wenig fortgeschrittene Völker beim Kontakt mit hochkultivierten aussterben. Dies gilt für die große Mehrheit der Australier, der Polynesier, der Nordasiaten, der Nordamerikaner, wie auch im Falle zahlreicher südafrikanischer und südamerikanischer Völker (…). Die Eingeborenen werden umgebracht, verjagt, proletarisiert und man zerstört ihre sozialen Organisationsformen. Das Hauptcharakteristikum der Politik der Weißen ist die Gewaltanwendung der Stärkeren gegen die Schwächeren. Das Ziel ist, sich ihrer Gebiete zu bemächtigen. Dieses Phänomen ist in Nordamerika am ausgeprägtesten. Landhungrige Weiße zwängen sich in schwache und teilweise zerstörte Indianer-Siedlungen.“ Dies sollte der letzte Vortrag sein, in dem Prof. Ratzel eine der Auslöschung „minderwertiger Völker“ widerstrebende Sichtweise formulierte.

Eine unglückselige Entwicklung
Die in Berlin zusammen gekommenen ehemaligen Sklavenhandelsmächte beschließen 1884/85 die Aufteilung Afrikas. Deutschland sichert sich die Kontrolle über Südwestafrika (heute Namibia), Ostafrika (heute Tansania, Ruanda und Burundi), Togo und Kamerun.

Der Eintritt Deutschlands ins Kolonialgeschäft bewirkt einen deutlichen Einschnitt zwischen dem Diskurs der deutschen Wissenschaftler vor 1890 und dem nach 1890 zum gleichen Thema: Ausrottung der „minderwertigen Rassen“ oder ihre Versklavung und somit Nutzbarmachung im Interesse der Konquistadoren und des Fortschritts der Zivilisation. So veröffentlicht Prof. Ratzel 1897 sein Werk Politische Geographie oder die Geographie der Staaten, des Verkehrs und des Krieges, in dem er nun eindeutig für die Auslöschung „minderwertiger Rassen“ Partei ergreift. Er schreibt, dass ein sich entwickelndes Volk, das zusätzliche Siedlungsgebiete benötige, sich diese erobern müsse, und zwar „mittels der Ausrottung und Umsiedlung ihrer Bewohner und der Verwandlung ihres Landes in unbewohnte Gebiete“ .

Die Kombination aus wirtschaftlicher Dominanz und rassistischen Methoden hat die weiße christliche Überlegenheit möglich gemacht. Ihre hegemoniale Ideologie beherrscht den Planeten und erreicht den Gipfel ihres Glanzes zwischen der zweiten Hälfte des 19. und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Selbst in den alten Kolonialgebieten ist die Politik der Vernichtung „minderwertiger Rassen“ fortgeführt worden.

Eine triumphierende Ideologie
Die meisten Staaten Amerikas erklärten im 19. Jahrhundert ihre Unabhängigkeit. Die herrschenden Klassen dieser Staaten wähnen sich weiß, weil sie von europäischen Abenteurern abstammen, die oftmals Indígena-Frauen vergewaltigt hatten. An der Macht seit den Unabhängigkeitskriegen, haben sich diese Eliten immer schon mit ihren weißen Vorfahren identifiziert und auch de facto die von den Kolonisatoren geerbten Methoden der Vernichtung der Indígenas übernommen.

Im April 1834 ordnete die argentinische Regierung – Argentinien war erst seit kurzer Zeit unabhängig – die „Campaña del desierto“ (Wüstenkampagne) an, deren Ziel es war, die überlebenden Indígenas der Pampa auszurotten. Geleitet von Juan Manuel de Rosas, der ein Jahr später Präsident Argentiniens werden sollte, wurde diese Kampagne in enger Kooperation mit der chilenischen Regierung durchgeführt. Die erste konstitutionelle Regierung Uruguays unter Fructuoso Rivera hat sich ebenfalls an dieser Kampagne beteiligt, welche die Pampa in einen unbewohnten Raum verwandeln sollte…

Trotz der extremen Gewalttätigkeit dieser Kampagne starben nicht alle Indígenas, zum Ärger von Präsident Rosas, der diese aufgrund ihrer Widerspenstigkeit gerne mit Insekten verglich. Um dem Misserfolg der ersten Kampagne zu begegnen, beschloss der Nationalkongress Argentiniens daraufhin die „Expansion der Grenzen bis zum Rio Negro“ (expansión de las fronteras hasta el Rio Negro), der Ausgangspunkt der zweiten „Wüstenkampagne“, welche die Pampa endgültig von seinen indigenen Bevölkerungen entleeren sollte, zum Wohle von „Zivilisation und Fortschritt“.

Lebensraum vor seiner Zeit
Die „Campaña“ fand in einer Zeit statt, in der überlebende Indígenas überall auf dem Kontinent verfolgt wurden. In Nordamerika wurden sie niedergemetzelt und verdrängt, um Raum zu schaffen für zivilisierte, also weiße Familien. In Argentinien war das Ziel der Kampagne das gleiche: die ‘Auswechselung‘ der lokalen durch eine ‘zivilisierte‘ Bevölkerung, welche die Eingliederung der Pampa und Patagoniens in die ‘moderne‘ argentinische Nation und in den argentinischen Staat sicherstellen sollte.

Einige Jahrzehnte später würde Heinrich Himmler das gleiche Prinzip geltend machen, als er sagte: „Die einzige Möglichkeit das soziale Problem zu lösen, ist, dass die überlegene Gruppe die anderen Gruppen umbringt und sich ihrer Länder bemächtigt.“ Doch noch geschah dies in Amerika, und die Opfer waren nicht-europäische Bevölkerungen. Minister Roca, der die zweite „Wüstenkampagne“ ausgerufen hatte, hat sogar 1880 die Wahlen gewonnen und ist Präsident Argentiniens geworden.

Zwar erhoben sich einige wenige Stimmen gegen die barbarischen Gräueltaten, die im Zuge dieser Kampagne begangen wurden. Doch im Großen und Ganzen wurde die angebliche Minderwertigkeit der Opfer nicht in Frage gestellt und Julio Roca – auch Konquistador der Wüste genannt – gilt bis heute als Begründer des ‘modernen‘ Argentiniens. Die Geschichte dieses Landes hat vor allem festgehalten, dass es unter Rocas Präsidentschaft zur Trennung zwischen Kirche und Staat gekommen ist, zur Einführung der standesamtlichen Trauung, des Personenstandsregisters und der laizistischen Erziehung.

Eine der größten Städte Patagoniens trägt bis heute den Namen Roca. Es ist noch nicht lange her, da behauptete der Historiker Félix Luna ernsthaft: „Roca stand für Fortschritt, er hat Argentinien in die moderne Welt integriert: Ich habe mich in seine Position versetzt, um zu verstehen, was, um regieren zu können, die Ausrottung einiger hundert Indios bedeutete (bin auch nicht richtig glücklich damit). Man muss den Kontext der Epoche berücksichtigen, die darwinistische Atmosphäre, die das Überleben und die Durchsetzung des Stärkeren begünstigte (…) Trotz Fehlern, Exzessen und hoher Kosten schuf Roca das Argentinien, an dem wir uns heute alle erfreuen: die Parks, die Gebäude, den Gesundheits-, den Justiz- und Regierungspalast.“

Ausrottbar weil minderwertig
Festzuhalten ist, dass seit dem ersten Genozid der Moderne, begangen durch Christen in Amerika ab 1492, die Stellung der nicht-europäischen Völker und der ‘Schwarzen‘ im Besonderen von den Anforderungen des weißen Überlegenheitsanspruchs bestimmt werden. Die ‘Schwarzen‘, im Konzentrationsuniversum Amerikas aus der menschlichen Gattung ausgeschlossen und zum Untermenschen bzw. zum Gegenstand degradiert, sind bis heute noch immer nicht in ihrer Menschlichkeit bestätigt bzw. wieder in die menschliche Familie aufgenommen worden. Und die überlebenden Indígenas wurden massakriert, um das von ihnen besiedelte Land in unbewohnte Gebiete zu verwandeln.

In Afrika wurde das kongolesische Volk unter dem Schlächter König Leopold derart brutal unterjocht und versklavt, dass die Bevölkerung von 20 Millionen auf 10 Millionen zurück ging. Auf demselben Kontinent hat Deutschland – wie andere Staaten auch – die ‘guten Prinzipien der Kolonisation‘ angewendet. Zwischen 1904 und 1906, innerhalb von zwei Jahren also, löschten die Deutschen ¾ der Hereros aus. Und hier sind die Opfer unter den Nama, San und der Gruppe der Nachfahren von Buren und Nama. Im Rahmen der deutschen Kolonialherrschaft in Namibia studierte Prof. Eugen Fischer 1908 das „Problem der Bastardisierung beim Menschen“ an den „Baster“ in Rehoboth.

Die Empfehlungen des Forschers sind äußerst klar und direkt: Man liest in seiner Abhandlung über die „Mischlinge“: „Man garantiere ihnen den für eine minderwertige Rasse notwendigen Schutz, nicht mehr, und auch nur solange sie uns nützlich sind – wenn dies nicht mehr der Fall ist, soll die natürliche Auslese über ihr Schicksal entscheiden, das heißt, wenn es nach mir geht, sollen sie aussterben.“

Diese Arbeit, in der Eugen Fischer meinte, die Minderwertigkeit der ‘Schwarzen‘ wissenschaftlich bewiesen zu haben, machte ihn weit über die Grenzen Deutschlands berühmt. Jahre später, als 1933 Adolf Hitler an die Macht kam, stellte Prof. Fischer ganz selbstverständlich sich und sein weltweites wissenschaftliches Prestige in den Dienst der ‘Rassen’politik des neuen Staates. Tatsächlich war dies für das gesamte wissenschaftliche Establishment der Fall.

Die Gefahr, als minderwertig eingestuft zu werden
Es ist eine nachprüfbare Tatsache: Am Ende des 19. Jahrhunderts und während der ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts waren die Ausrottung von als minderwertig angesehenen Menschen oder die Planung ihres Aussterbens Realitäten, um die nicht viel Aufhebens gemacht wurde und deren Opfer nicht mit vielen Solidaritätsbekundungen rechnen konnten. Dies ist der Grund, warum die Nationalsozialisten sich alle Mühe gaben, die Deutschen davon zu überzeugen, dass die Juden, ebenso wie die Slawen und andere Gruppen, anders waren und daher ‘minderwertig’.

In diesem hinsichtlich der Ausrottung ‘minderwertiger’ Völker äußerst günstigen Kontext konnten die mit der vierjährigen ökonomischen Planung für das nationalsozialistische Deutschland betrauten wissenschaftlichen Berater, die Vernichtungslogik ihrer Vorgänger und die grausame Verquickung ideologischer Faktoren und utilitaristischer Motivation auf die Spitze treibend, im Osten die Vernichtung von 30 Millionen Menschen anordnen.

In ihrem Essay Vordenker der Vernichtung (2004) unterstreichen Susanne Heim und Götz Aly, dass die Wirtschaftsplaner, welche nicht nach ihrer politischen Radikalität, sondern nach ihrer professionellen Kompetenz ausgesucht wurden, ihre Gutachten auf rein ökonomische und geopolitische Überlegungen stützten, ohne jegliche Bezugnahme auf die ‘Rassen’ideologie. Sie berichten von einem Sitzungsprotokoll, in dem die Wirtschaftsberater in Anwesenheit Goebbels ihren Truppenversorgungsplan erläuterten.

Goebbels schrieb am 2. Mai 1941 in sein Tagebuch: „Der Krieg kann nur weiter gehen, wenn Russland im dritten Kriegsjahr alle deutschen Streitkräfte mit Lebensmitteln versorgt. Millionen Russen werden ohne Zweifel Hungers sterben, wenn ihnen und ihrem Land die Lebensmittel in diesem Maße abgezogen werden.“ In der Tat sollte dieser Plan zunächst ca. 30 Millionen Slawen das Leben kosten. Doch diese Maßnahme sollte die Versorgung der Truppen für ein weiteres Jahr sicherstellen und darüber hinaus die Gebiete in unbewohntes Land verwandeln, wo in der Folge deutsche Familien angesiedelt werden sollten.

Eine grausame Tradition
So konnte Herrmann Göring, dessen Vater der erste deutsche Gouverneur in Namibia war, 1941 seinem Kollegen, dem italienischen Außenminister Graf Ciano, mitteilen: „Dieses Jahr werden 20 bis 30 Millionen Menschen in Russland an Hunger sterben. Vielleicht ist dies nur zum Besten, denn manche Nationen müssen ausgerottet werden.“ Diejenigen, die in einer solch perversen Zusammenführung von ideologischem Rassismus und utilitaristischer Motivation die Vernichtung von 30 Millionen Slawen entwarfen, konnten ohne Skrupel die Ausrottung einer ebenfalls als minderwertig erachteten Gruppe planen, in diesem Fall der Juden. Es ist kein Zufall, dass Prof. Wolfgang Abel, vom Generalstab der Armee beauftragt, anthropologische Studien an den sowjetischen Kriegsgefangenen durchzuführen, unter anderem die Vernichtung des russischen Volkes vorschlug.

Prof. Abel war, bevor er zu seinem Assistenten wurde, ein Schüler des schon erwähnten Prof. Fischer. Gemeinsam gehörten sie zu den ersten wissenschaftlichen Experten, welche diejenigen aussortierten und nach Auschwitz oder in ein anderes Vernichtungslager schickten, die das ‘Verbrechen‘ begangen hatten, nicht „Arier“ zu sein.

Was die sowjetischen Soldaten betrifft: „Am 1. Februar 1942 waren von 3,3 Millionen Kriegsgefangenen der Roten Armee bereits 2 Millionen – also 60% – in deutschen Lagern oder während ihrer Deportierungen gestorben. Lässt man die ersten drei Kriegswochen, in denen die Soldaten noch von ihren Reserven zehren konnten, außen vor, ergibt dies eine Sterberate von 10.000 Menschen pro Tag.“

Des einen Tragödie, des anderen Profit
Die große Mehrheit der Deutschen, glücklich sich auf der ‘richtigen‘ Seite zu befinden, akzeptierte den Ausschluss der „Nicht-Arier“ und profitierte davon. Es ist klar, dass zu dieser Zeit die Solidarität mit den als minderwertig erachteten Gruppen in der dominanten Kultur nicht üblich war. Mehrere Jahrhunderte der ideologischen Indoktrinierung zur Rechtfertigung der Unterjochung der kolonisierten und versklavten Völker hatte die Menschlichkeit derer, die davon profitierten, nicht gerade erhöht.

Wie es Aly so treffend schreibt: „Die nationalsozialistische Regierung erschuf den Traum des Volkswagens, führte das bis dahin kaum bekannte Konzept von Ferien ein, verdoppelte die Feiertage und entwickelte den Massentourismus, der uns allen heute geläufig ist. (…) So auch die Steuerbefreiung der Löhne für Nachtarbeit, Sonntagsarbeit und nicht zuletzt die im Zuge des Siegs gegen Frankreich zugestandenen Feiertage, die bis zu ihrer kürzlichen Infragestellung als soziale Errungenschaften galten (…) Hitler hat die arische Mittelschicht auf Kosten des Lebensminimums anderer Kategorien verschont.“

Finanziert wurde diese Sozialpolitik, die darauf ausgerichtet war, den Lebensstandard der arischen Bevölkerung zu erhöhen, durch das von den europäischen Juden und den von Deutschland besetzten Staaten geraubte Geld. So wird es auch nachvollziehbar, dass so viele Deutsche nach dem Krieg hinter vorgehaltener Hand zugeben konnten, den größten Wohlstand ihres Lebens unter dem nationalsozialistischen Regime erlebt zu haben, die Zeit des Krieges eingeschlossen.

Schlussfolgerung
Die Kolonialherrschaft über andere Völker hat immer die notwendigen Bedingungen für die Errichtung kaltblütiger Systeme der Ausbeutung, Versklavung und Entmenschlichung geliefert. Dies war der Fall im Konzentrationsuniversum Amerikas, wo die Kolonialmächte ein juristisches System erfanden, mittels dessen die Bestialisierung der ‘Schwarzen‘ aufgrund ihres Schwarzseins in aller Legalität stattfand. Im 19. Jahrhundert knüpfte die britische Kolonisierung Australiens an den in Amerika begangenen Genozid an. In Afrika haben die kongolesischen Völker ihren Adolf Hitler in der Gestalt des Königs der Belgier erlitten, der, durch den Tod der Hälfte der Bevölkerung noch nicht befriedigt, denjenigen die Hände abhacken ließ, die sich der Zwangsarbeit verweigerten. In Namibia hat das koloniale Deutschland seinen ersten Genozid begangen und… ich kann mit dieser Aufzählung fortfahren, aber ich kann auch hier aufhören… Die genannten Beispiele genügen, um zu verstehen, dass das nationalsozialistische Entmenschlichungsunternehmen eingebettet war in eine Kontinuität, immer begleitet von der kolonialen Barbarei.

Am Ende des Krieges haben die siegreichen Kolonialmächte den Nationalsozialismus als etwas Unverständliches und Entsetzliches bezeichnet, da hinter diesen Gräueltaten keine ökonomische Rationalität gesteckt hätte. Der Utilitarismus war schon immer als Rechtfertigung der Entmenschlichung der nicht-europäischen Völker vorgebracht worden, daher musste das nationalsozialistische Unternehmen jeglicher utilitaristischen Logik entbehren. Deshalb auch diese reduktionistische Herangehensweise, die den Nationalsozialismus historisch isolierte und die Aufmerksamkeit auf die Gräueltaten der Nationalsozialisten lenkte und dabei diejenigen Faktoren ausblendete, ohne die – das sollte jede/r wissen – dieses Desaster niemals jenes Ausmaß erreicht hätte.

Übersetzung aus dem Französischen: Eric Van Grasdorff, Maja Neff und Daniel Bendix

Rosa Amelia Plumelle-Uribe ist Autorin des Buches „Weiße Barbarei. Vom Kolonialrassismus zur Rassenpolitik der Nazis“.

Fußnoten:
1. Zu diesem Thema siehe Charles Verlinden, L’esclavage dans l’Europe médiévale, Tome 1 Péninsule Ibérique, France 1955; Tome 2 Italie Colonies italiennes du Levant latin Empire Byzantin, 1977.

2. Charles Verlinden, L’esclavage dans l’Europe médiévale, Tome 2, vor allem Kapitel II La traite vénitienne et la traite juive, S. 115ff; und auch Kapitel III La traite des eunuques, p. 981 ff. Dieses Buch, über Buchhandlungen nicht mehr zu beziehen, kann in den Bibliotheken des Centre Pompidou und der Sorbonne eingesehen werden.

3. Jacques Heers, Esclaves et domestiques au Moyen Âge dans le monde méditerranéen, Paris, 1981, S. 12.

4. Mit ‘Amerika’ und ‘amerikanischer Kontinent’ bezeichnet die Autorin immer die ‘Amerikas’, also sowohl Nord-, Mittel- und Südamerika.

5. In Anlehnung an die derzeitigen Debatten in der Kritischen Weißseinsforschung in Deutschland wird Schwarz groß geschrieben, um zu kennzeichnen, dass es sich dabei nicht um eine biologistische oder kulturalistische Bezeichnung handelt, sondern um eine gesellschaftliche und politische Kategorie, die zu analytischen Zwecken verwendet wird (vgl. Eggers et al. 2005: 13) (Anm. d. Ü.).

6. ‘Rasse’ wird in Anführungszeichen gesetzt, wenn damit das biologistische Konzept, das in naturwissenschaftlicher Hinsicht jeglicher Grundlage entbehrt, gemeint ist (Anm. d. Ü.).

7. Zu diesem Thema siehe Tzvetan Todorov, La conqête de l’Amérique. La question de l’autre, Paris, 1982.

8. weiß wird klein und kursiv geschrieben, um zwar ebenfalls das Konstrukthafte zu markieren, aber eine Abgrenzung zu Schwarz zu vollziehen, welches auf den emanzipatorischen Charakter von Schwarzsein in der Selbstzuschreibung von ‘Schwarzen‘ bzw. People of Colour als ‘Schwarzen‘ bzw. People of Colour hinweist (vgl. Maureen Maisha Eggers et al., Mythen, Masken und Subjekte, 2005, S. 13) (Anm. d. Ü.).

9. Siehe Bartolomé de Las Casas, Brevísima relación de la destrucción de las Indias, Buenos Aires, 1966; wie auch Historia de las Indias, México, Fondo de Cultura Económica, 1951.

10. Basil Davidson, Africa in History, Phoenix Press, 2003 (2nd impression), S. 205-216.

11. Ich empfehle an dieser Stelle das Werk der Pionierin Louise Marie Diop Maes, Afrique Noire Démographie Sol et Histoire, Paris, 1996.

12. Louis Sala-Molins, Le code noir ou le calvaire de Canaan, Paris, 1987.

13. Louis Sala-Molins, Les Misères des Lumières. Sous la Raison, l’outrage, Paris, 1992.

13. Im Kolumbien des Jahres 1972 wurde eine Gruppe von Bauern (alles Analphabeten) angeklagt, 18 Indígenas, Frauen, Männer und Kinder, niedergemetzelt zu haben. Die Angeklagten wurden von einer Volksjury freigesprochen, da sie nicht wussten, dass Indígenas zu töten eine Sünde war, geschweige denn, ein Verbrechen. Siehe zu diesem Thema Rosa Amelia Plumelle-Uribe, La férocité blanche des non-Blancs aux non-Aryens –Génocides occultés de 1492 à nos jours, Paris, 2001.

14. Sven Lindqvist, Exterminez toutes ces brutes. L’odysée d’un homme au coeur de la nuit et les origines du génocide européen, Paris, 1999.

15. Aimé Césaire, Discours sur le colonialisme, Paris, 1955.

16. Lindqvist, op. cit., S. 189-190.

17. Ibid, S. 192.

18. Götz Aly et Susanne Heim, Les architectes de l’extermination Auschwitz et la logique de l’anéantissement, Paris, 2006, S. 25-26.

19. Siehe Diana Lenton, La cuestion de los Indios y el genocidio en los tiempos de Roca: sus repercusiones en la prensa y la politica, SAAP- Sociedad Argentina de Análisis Politico, www.saap.org.ar/esp/page. Siehe auch Osvaldo Bayer, Le journal argentin Página/12, Sábado, 22 de octubre 2005.

20. Adam Hochschild, Les fantômes du roi Léopold II. Un holocauste oublié, Paris, 1998.

21. Ingol Diener, Apartheid! La cassure, Paris, 1986.

22. Benno Muller-Hill, Science nazie, science de mort, Paris, 1989, S. 194.

23. Siehe Muller-Hill.

24. Aly et Heim, op. cit., S. 271-272.

25. Ibid, S. 267.

26. Ibid, S. 289.

27. Muller-Hill, op. cit.

28. Götz Aly, Comment Hitler a acheté les Allemands, Paris, 2005, S. 172.

29. Siehe Plumelle-Uribe, op. cit.

30. Götz Aly, Comment Hitler a acheté les Allemands, S. 9, 28.

31. Hochschild, op. cit.

One Response to “Von der kolonialen Barbarei zur Vernichtungspolitik des Nationalsozialismus”

  1. AfricAvenir » Blog Archive » Plumelle-Uribe: From Colonial Barbarity to the Nazi Policies of Extermination Says:

    […] Speech presented by Rosa Amelia PLUMELLE-URIBE at the AfricaAvenir Dialogue Forum in Berlin, June 14, 2006. This article has already appeared in >> french and >> german on www.africavenir.org. [The Voice] […]

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