Lesung: „Wenn er hier bleiben will, muss er schon Deutsch lernen!“
Am Mittwoch, den 11. April 2007 um 19:30 Uhr laden AfricAvenir und Exchange & Dialogue in Kooperation mit der Heinrich-Böll-Stiftung und der Werkstatt der Kulturen zu einer Lesung mit Prince Kum’ a Ndumbe III. zum Thema “Deutsche Integrationsdebatte” ein.
„Wenn er hier bleiben will, muss er schon Deutsch lernen!“
Lesung
Prince Kum’a Ndumbe III., kamerunischer Professor und Schriftsteller, lädt das Publikum zu einer engagierten Begegnung mit afrikanischen Perspektiven und Positionen ein. In diesem Rahmen bietet sich die Gelegenheit zu einem kritischen Dialog über die Integrationsdebatte in Deutschland und dem viel diskutierten Zusammenhang zwischen Sprache und Integration.
Der Autor schreibt seit den 1970er Jahren auf Duala, Französisch, Englisch und Deutsch und liest an diesem Abend aus seiner deutschsprachigen Anthologie, die derzeit im Verlag Exchange & Dialogue erscheint.
Mittwoch, 11. April 2007, 19:30 Uhr
Eintritt: 4€/5€
Ort: Werkstatt der Kulturen
(Wissmannstr. 32, U-Bhf. Hermannplatz)
Veranstalter: Verlag Exchange & Dialogue, AfricAvenir International e.V.
Kooperation: Werkstatt der Kulturen, Heinrich-Böll-Stiftung
Medienpartner: radio multikulti
———
Interview von Prinz Kum’ a Ndumbe III. in der Sendung “Metro” auf rbb radio multikulti, anläßlich seiner Lesung in der Werkstatt der Kulturen unter dem Titel “Wenn er hier bleiben will, muss er schon Deutsch lernen” - Lesung zum Thema “deutsche Integrationsdebatte”.
———
Begrüßung
Maja Neff, Exchange & Dialogue
Verehrter lieber Prinz Kum’a Ndumbe III., verehrte Damen und Herren, liebe Freundinnen und Freunde,
es freut mich sehr, dass Sie den Weg hierher in die Werkstatt der Kulturen gefunden haben, zu einer Lesung mit einem sicherlich nicht wenig provokanten Titel. „Wenn er hier bleiben will, muss er schon Deutsch lernen“. Bei der Planung dieser Lesung, bei den Überlegungen, welche der zahlreichen Werke gelesen werden sollten, bei der Suche nach einem passenden, einem aktuellen und relevanten Thema umspielte ein Lächeln die Lippen von Prinz Kum’a Ndumbe III.
Wir sind hier heute Abend in Neukölln zusammengekommen, um Botschaften aus einer anderen Kultur als der unsrigen zu lauschen, Botschaften, die in unserer Sprache an uns heran getragen werden. Botschaften, die wir wohl kaum verstehen könnten, wären sie von Prinz Kum’a Ndumbe III. in seiner Muttersprache Duala geschrieben.
Im Namen von AfricAvenir International e.V. und dem Verlag Exchange & Dialogue sowie in Kooperation mit der Werkstatt der Kulturen und Radio multikulti habe ich die Freude, Ihnen heute Abend einen Menschen vorstellen zu dürfen, der sich und sein Leben einem Bild verschrieben hat, - dem Bild des kulturellen Brückenbauers: Prinz Kum’a Ndumbe III., Thronfolger des kamerunischen Volkes der Bele Bele, Professor, Politologe, Historiker, Germanist, Literat.
Holen wir etwas weiter aus. Prinz Kum’a Ndumbe III. wird in eine königliche Familie im Raum Douala geboren, jedoch bereits im Alter von 15 Jahren nach München auf das Maria-Theresia-Gymnasium geschickt. Von nun an wird er nicht nur – neben dem Bayerischen Dialekt – die deutsche Sprache erlernen, sondern besonders die Herausforderung, in verschiedenen Kulturen ein Zuhause zu finden.
Nach dem Münchner Abitur folgen Studien der Wirtschafts- und Rechtswissenschaften in Lyon, anschließend die Weiterorientierung in Germanistik, Geschichte und Politik. Mit erfolgreicher Doppel-Promotion arbeitet er vor Ort als Lehrbeauftragter, bis ihn zehn Jahre später die Universität Yaoundé I der Hauptstadt seiner Heimat zunächst zum Dozenten, dann zum Leiter der germanistischen Abteilung beruft.
Für viele Jahre wird er das Bild von Deutschland in dieser Funktion mitprägen, wird auch das weitergeben, was ihn das Leben in Deutschland gelehrt hat. Und – Deutschland hat in Prinz Kum’a Ndumbe III. einen verständnisvollen Fürsprecher gefunden, vielleicht auch unverdient. Seine Zuneigung zu Deutschland belegt die Tatsache seiner Rückkehr, diesmal nach Berlin, wo ihn das Otto-Suhr-Institut für Politische Wissenschaften habilitiert. Sind es hier zwar nicht wenige Schwierigkeiten, mit denen er als afrikanischer Professor an einer deutschen Universität konfrontiert wird, ist es nicht zuletzt die stets wachsende Zahl begeisterter Studierender, die ihn wiederholt in seiner Arbeit bestätigen.
In den folgenden Jahren ist er auf beiden Kontinenten tätig – mal in Yaoundé, wo er beispielsweise über die Afrikapolitik des Dritten Reiches lehrt, mal in Berlin, wo die politische Entwicklung afrikanischer Länder seit Altägypten seinen Lehrplan prägt.
Aber das ist ihm nicht genug. Seit den 70er Jahren schreibt er - und dies in nicht unerheblichem Ausmaß: politische Essays, Romane, Gedichte, Theaterstücke, Kurzgeschichten - insgesamt 72 Manuskripte. Zeitgleich ist er für ein Jahrzehnt Präsident des kamerunischen und Vizepräsident des zentralafrikanischen Schriftstellerverbandes.
Ungeachtet dieser zahlreichen Aktivitäten kommt er auch seinen durch Geburt anvertrauten Verpflichtungen nach. Die Rolle des traditionellen Königs definiert er als ein unabhängiges und überparteiliches Amt, das ihm vor allem die Wahrung von und die kritische Auseinandersetzung mit afrikanischen Kulturen und ihrer Renaissance zuschreibt. Aus dieser Verantwortung und um endgültig seinen politischen Überzeugungen eine Plattform zu geben, gründet er in Douala eine Stiftung, die zum Zentrum wird für ungezählte regionale, nationale, kontinentale und interkontinentale Aktivitäten, Begegnungen, Konferenzen.
Stellen Sie sich ein Kultur- und Informationsszentrum an einer der lebhaftesten Straßen der kamerunischen Hafenstadt Douala vor, in dem Vertreter der Zivilgesellschaft, Universitätsprofessoren, Taxifahrer, Schüler, Studenten und Politiker sich regelmäßig begegnen und in Dialog treten.
Haben Sie dieses Bild vor Augen? – gut, dann wissen Sie, worum es geht, - um Afric Avenir, um die Zukunft Afrikas. Viel zu lange wurde jene Zukunft in Europa erdacht und entschieden, doch - um in seinen eigenen Worten zu sprechen - „Kein Land vermag es, ein anderes zu entwickeln. Entwicklung kann nur von innen kommen“.
Meine Damen und Herren, ich sprach es bereits an: Prinz Kum’a Ndumbe III. versteht seine Werke und sich als Brückenbauer. Brücken sind symbolbeladen - und sie enthalten eine Aufforderung. Eine Aufforderung, diese Brücke zu betreten, von beiden Seiten, zuzugehen aufeinander, die Begegnung zu wagen. Prinz Kum’a Ndumbe III. hat diesen ersten Schritt bereits vor langer Zeit getan. Er hat nicht nur die deutsche Sprache erlernt. Er schreibt seine afrikanische Perspektive der Welt, seine Ideen von Begegnung und Austausch, von Verständnis in unserer Sprache. Damit uns ermöglicht wird, diese kennen zu lernen und einen ehrlichen, einen selbstkritischen Dialog zu führen.
Ich bitte Sie, mit mir Prinz Kum’a Ndumbe III. herzlich zu begrüßen.