Apropos Kongo: nur keine Scheu vor dem kritischen Dialog!
Stellungnahme von Prof. Kum’a Ndumbe III. zu dem im Tagesspiegel vom 10.08.2006 veröffentlichten Artikel von Hans-Georg Knopp (Generalsekretär Goethe-Institut) ‘Apropos Kongo’.
Bedauerlicherweise hat der Berliner Tagesspiegel es abgelehnt, die folgende Stellungnahme von Prof. Kum’ a Ndumbe III. zu veröffentlichen.
Apropos Kongo: nur keine Scheu vor dem kritischen Dialog!
Von Prinz Kum’a Ndumbe III. (www.africavenir.org/africavenir/founder/index.php)
In seinem Artikel „Apropos Kongo“ (Tagespiegel, 10.08.06, S. 23) behauptet Hans-Georg Knopp, Generalsekretär des Goethe-Instituts, ich hätte in meinem Buch „Was will Bonn in Afrika?“ der bundesdeutschen Politik und Wirtschaft neokoloniale Interessen unterstellt und das Goethe-Institut zum willfährigen Propagandainstrument erklärt. Ich hätte dabei übersehen, dass das Goethe-Institut seit Bestehen vehement auf seiner Unabhängigkeit bestehe. Dabei soll eine von mir als afrikanischem Prinzen konstruierte antikoloniale Befreiungsrhetorik Respekt in Afrika eingebracht und den Weg zu Vortragsreisen durch Europa geebnet haben.
„Was will Bonn in Afrika – Zur Afrikapolitik der Bundesrepublik Deutschland“ ist meine vom Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft der Freien Universität Berlin im Juli 1989, also kurz vor der Wende, einstimmig angenommene Habilitationsschrift. Es geht hier um eine wissenschaftliche Abhandlung, die von hochkarätigen deutschen Professoren angenommen wurde und nicht um die Befreiungsrhetorik eines Prinzen aus einem afrikanischen „Stamm“.
Bundesdeutsche strukturelle Solidarität mit den Kolonialmächten
Hinsichtlich der neoimperialen Politik der Bundesrepublik Deutschland in Afrika vor 1989 muss man sich fragen, ob Bonn die Möglichkeit und den Willen hatte, gegen die Afrikainteressen der Besatzungsmächte Frankreich oder England vorzugehen. Die Antwort ist eindeutig: nein. Die Globalstrategie des Westens in Afrika bedingte eine strukturelle bundesdeutsche Solidarität mit den Kolonialmächten Frankreich, England, Belgien und Portugal zur Zeit des Kalten Krieges und des afrikanischen Unabhängigkeitskampfes. Diese Strategie setzte danach eine weitere Solidarität im Rahmen der westlichen Interventionspolitik im unabhängigen Afrika voraus. Deshalb wurden vom NATO-Mitglied Portugal deutsche Düsenjäger im Kampf gegen Unabhängigkeitskämpfer in Angola und Mosambik eingesetzt, 71,5 Mio DM für die Intervention im Kongo/Shaba im Jahre 1976/77, ein Jahr später 60 Mio DM für die 2. Shabaintervention, um den Diktator Mobutu an der Macht zu halten. Die Anbindung Afrikas an den Westen ist immer ein Grundsatz der Afrikapolitik der Bundesrepublik gewesen, ob mit oder ohne Diktatoren. (S. 123 ff)
Das Goethe-Institut: auf der Suche nach dem Dialog
In dem Unterkapitel „Die Abgrenzung der Kompetenz in der pluralistischen Kulturarbeit im Ausland“ (S.301ff) wird wohl das Bestreben der Mittlerorganisationen und vor allem das des Goethe-Instituts nach selbständigem Handeln unterstrichen, die Grenzen im Falle eines Konflikts mit dem Auswärtigen Amt wurden aber auch hervorgehoben. Der “Rahmenvertrag Auswärtiges Amt - Goethe-Institut” vom 30. Juni 1976 und die Vereinbarung zwischen der Carl-Duisberg-Gesellschaft, der Deutschen Stiftung für Internationale Entwicklung und dem Goethe-Institut in der Neufassung vom Mai 1978 bestimmten den juristischen Handlungsspielraum des Goethe-Instituts in der auswärtigen Kulturarbeit. Deshalb heißt es auch in meinem Buch: „Durch den Rahmenvertrag betraut das Auswärtige Amt das Goethe-Institut mit der Ausführung von ‚Vertragsaufgaben’ wie der Pflege der deutschen Sprache im Ausland und der Förderung der internationalen kulturellen Zusammenarbeit. Das Goethe-Institut führt diese Vertragsaufgaben in eigener Verantwortung, jedoch im Rahmen der Richtlinien, der Gesamt- und Regionalplanung, sowie der Koordination des Auswärtigen Amtes auf dem Gebiet der auswärtigen Kulturpolitik durch.“ (S.303).
Der Kalte Krieg und die Konfrontation zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der DDR wurden auch in der auswärtigen Kulturarbeit vor allem der Sechziger Jahre überlagert. Antikommunismus, Behauptung des Alleinvertretungsrechts, Darstellung des pluralistischen Bildes der Bundesrepublik wurden von der „dritten Säule“ der bundesdeutschen Außenpolitik auch nach Afrika hineingetragen. Nach der Wende wurde der Kulturdialog mit den Gastländern immer mehr gefördert und im Heft des Goethe-Instituts „Prisma“ (Nr.1/94, S.32) schrieb ich in einem Brief an Claudia-Volkmar Clark: „Dein Goethe-Institut in Yaoundé ist kein Propaganda-Aushängeschild der Bundesrepublik. Es ist zu einem Zentrum der Begegnung zweier Kulturen geworden, zu einem Forum des Austausches sensibler Menschen zweier Welten. In Deutschland setzen das Haus der Kulturen der Welt und andere Einrichtrungen diese Arbeit fort“ (S.32).
In seinem Artikel schreibt Herr Hans-Georg Knopp, ehemaliger Leiter des Hauses der Kulturen der Welt und heute Generalsekretär des Goethe-Instituts, ich würde das Gegenteil behaupten. Wie kann das sein? Hat er mein Buch wirklich gelesen? In diesem Land ist der Diskurs über Afrika in deutsche Gefangenschaft geraten. Nur Deutsche, Weiße, dürfen über Afrika schreiben, berichten, lehren, Politik gestalten. Als afrikanischer Prinz der Bele Bele mit einem deutschen Abitur, einer französischen Promotion und einer deutschen Habilitation erlaube ich mir, Widerspruch zu erheben und den Weg eines kritischen Dialogs zu fordern.
Als Schriftsteller ist es ein Vergnügen und ein Geschenk für mich, in der deutschen Sprache zu träumen, zu dichten und zu erzählen. „Ich klopfte an deiner Tür“, „Ach Kamerun! Unsere alte deutsche Kolonie…“, „Nationalsozialismus und Apartheid“, „Wettkampf um die Globalisierung Afrikas“, „Das Fest der Liebe – die Chance der Jugend“ sind einige der original auf Deutsch verfassten elf Titel, die ich jetzt der deutschen Leserschaft im Verlag Exchange & Dialogue anbiete. Herr Generalsekretär, wie und wo wird mich das Goethe-Institut einreihen, den Deutsch schreibenden afrikanischen Prinzen? Gehören meine Schriften auch - oder noch - zur deutschen Literatur? Ich fordere jeden deutschsprachigen Bürger zur Begegnung heraus und bitte ihn, diese Chance des zweigleisigen Dialogs zu ergreifen und meine Schriften auf Deutsch zu lesen. Man erspart sich sogar eine Übersetzung! Wollen Sie mich, Herr Generalsekretär des Goethe-Instituts, auf diesem Weg begleiten?
Prinz Kum’ a Ndumbe III. ist Prof. an der Universität Yaoundé und Leiter der Stiftung AfricAvenir in Douala (www.africavenir.org).