Lehrveranstaltungen am Otto-Suhr-Institut der FU Berlin
Auf Bestreben und unter Mitarbeit von AfricAvenir International e.V. werden dieses Semester die Lehrveranstaltungen “Sprachpolitik und Nationbuilding in Afrika” von Kofi Yakpo, “Rassismus und Weißsein. Europäische Geistes- und Literaturgeschichte und deren Ursprung” von Peggy Piesche und “Geschlecht, Kultur, Identität” von Dr. Susanna Kahlefeld am Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft der Freien Universität Berlin angeboten.
15236 PS - Kofi, Sascha Yakpo,
Sprachpolitik und Nationbuilding in Afrika, Blockseminar
28.04.2006 12-14 Uhr, Vorbesprechung: Garystr. 55, Raum 302a
Das Blockseminar findet an zwei Wochenenden statt im:
Bildungswerk der Heinrich-Böll-Stiftung, Kottbusser Damm 72, 10967 Berlin
Sa., 29.04.2006 10-16 Uhr
So., 30.04.2006 10-16 Uhr
Sa., 17.06.2006 10-16 Uhr
So., 18.06.2006 10-16 Uhr
Das Ziel dieses Proseminars ist es, Sprachpolitik in Afrika an der Schnittstelle grundlegender Fragen des Nationbuildung - dem Prozess der Konsolidierung postkolonialer Staatswesen - zu analysieren. In den Vielvölkerstaaten Afrikas besitzt Sprachpolitik heute mehr als in anderen Weltregionen höchste politische Brisanz. Diese ergibt sich vor allem aus der hierarchischen Dichotomie zwischen europäischer Amtssprache und afrikanischen Vehikulärsprachen. Im afrikanischen Kontext ist Sprachpolitik eng verquickt mit der Frage der Konstruktion von nationaler Identität und besitzt darüber hinaus ganz pragmatische Bedeutung für politische und ökonomische Aspekte des Nationbuilding. Aus diesem Zusammenhang ergeben sich einige der Fragen, die im Verlauf dieses Proseminars aufgegriffen werden: Was ist Sprachpolitik, welche Formen von Sprachpolitik gibt es und in welchem Verhältnis steht Sprachpolitik in Afrika zu anderen Politikbereichen? Welche Bedeutung hat Sprachpolitik für den Aufbau eines partizipatorischen politischen Systems. Welche Rolle spielt Sprachpolitik beim Ausbau des Bildungssystems? Welche Konflikte ergeben sich aus der Konstellation von afrikanischen Mehrheits- und Minderheitensprachen, europäischer Kolonialsprache und autochthonen Sprachen? Im Verlauf dieses Proseminars wird der mehrdimensionale Charakter von Sprachpolitik mit seinen politischen, ökonomischen, juristischen, sozio-kulturellen und historischen Aspekten zum Vorschein kommen.
Das Proseminar wird als Blockveranstaltung im Wahlpflichtmodul Afrika angeboten. Es wird mit Text, Film und Ton gearbeitet und in der Auswahl der Medien afrikanischen Stimmen Vorrang gegeben, um den Lehrgegenstand aus einer autochtonen Perspektive zu veranschaulichen.
Die Veranstaltung ist auf 25 TeilnehmerInnen begrenzt.
Schriftliche Anmeldungen an: afrika@osi-club.de
Der Themenschwerpunkt Afrika ist eine Initiative des OSI-Club e.V.
15237 PS Peggy Piesche
Rassismus und Weißsein. Europäische Geistes- und Literaturgeschichte und deren Ursprung
Mi 14-tägl. 16.00-20.00 Garystr. 55, Raum 323, 14195 Berlin (ab 19.04.)
Der US-amerikanische Historiker Charles Maier unterbreitete unlängst den Vorschlag, Kolonialismus als supranationales Masternarrativ zu entwickeln, um historische Prozesse und aktuelle gesellschaftliche Dynamiken aus postkolonialer Perspektive zu resituieren. Diesbezüglich scheint etwa auch der postkoloniale Paradigmenwechsel bedeutsam, der sich mit der Kritischen Weißseinsforschung verbindet. Das Seminar widmet sich einer so zu verortenden Einordnung von Weißsein als Konstruktion, Mythos und kritischer Wissenskategorie. In einem ersten Schritt wird der Begriff der “Rasse” historisch verortet und als Konstrukt und Mythos identifiziert. Vom Konzept des “racial turn” ausgehend wird sodann die Kritische Weißseinsforschung methodisch eingeordnet und Weißsein als kritische Wissenskategorie fruchtbar resituiert. Darauf aufbauend wollen wir Weißsein als Konstituente der europäischen Geistes- und Literaturgeschichte und deren Ursprungsmythen identifizieren und dekonstruieren. Ausgehend von Weißsein als kulturwissenschaftlicher Analysekategorie wollen wir Konzeptionen und Markierungsmuster von Weißsein diskutieren und die Präsentation von Weißsein in seinen Kontinuitäten, Transformationen und Friktionen beschreiben. Zudem ist dem Postulat einer rassialisierten map of misreading (Bloom) sowie der Hypothese nachzugehen, das Leseerwartungen von einer Kongruenz in der rassialisierten und geschlechtergeprägten Position von Autor und Figuren (Protagonist/Erzählperspektive) ausgehen.
Der Themenschwerpunkt Afrika ist eine Initiative des OSI-Club e.V.
Ausgewählte Seminarlektüre:
Morrison, Toni. Playing in the Dark. Whiteness and the Literary Imagination. Cambridge, Mass.: Harvard University Press, 1992
Morrison, Toni. “Recitatif.” in: African American Literature. A Brief Introduction and Anthology. Hrsg. von Al Young. Berkeley: University of California Press, 1996: 209-224.
Kant, Immanuel: Bestimmung des Begriffs einer Menschenrasse, (Darmstadt 1970, Bd. 9), 65-82.
Wolfram von Eschenbach. Parzival. Berlin 1998
William Shakespeare. The Tempest. Berlin 1998
HS 15488 Dr. Susanna Kahlefeld
Geschlecht, Kultur, Identität
Fr wö. 12.00-14.00 Garystr. 55, Raum 121, 14195 Berlin (ab 21.04.)
Gegenstand des Seminars ist die neuere feministische Debatte, in der die Problematik der Geschlechterkonstruktion und der Konstruktion von “Race”- bzw. Kulturzugehörigkeiten im weiteren Rahmen einer Theorie kultureller Vielfalt und demokratischer Gleichheit auf einander bezogen werden. Den Anstoß für diese theoretische Weiterentwicklung gaben Afro-Amerikanerinnen und Feministinnen der Entwicklungsländer durch ihre politische Kritik am weißen, bürgerlichen Feminismus. Welche theoretischen, kategorialen Voraussetzungen (Identitätsbegriff etc.) haben es möglich gemacht, diese Kritik in eine Weiterentwicklung der feministischen Theorie umzusetzen? Im Seminar werden einige grundlegende Texte gelesen.
Der Themenschwerpunkt Afrika ist eine Initiative des OSI-Club e.V.